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Nicht weit gekommen ist ein Lufthansa Airbus mit 314 Passagieren auf dem Weg nach Tokio. 23 Mitglieder einer Reisegruppe aus Japan erkrankten plötzlich so schwer, dass der Pilot noch auf der Startbahn umdrehte. Ein Großeinsatz mit weit über 100 Rettungskräften und Ärzten lief an.

Um 15.40 Uhr sollte der Lufthansa Flug LH 714 nach Tokio abheben. Die 314 Passagiere waren bereits an Bord, als 23 Mitglieder einer 80-köpfigen japanischen Touristengruppe auf einmal über heftige Magenbeschwerden und Schwindel klagten. Die 20 bis 22-Jährigen – einige hatten schon zuvor Unwohlsein verspürt – mussten sich übergeben und litten unter Durchfall.

„Der Pilot hat sich entschlossen, wegen der schweren und ansteckenden Erkrankung gar nicht erst zu starten“, berichtet Flughafensprecher Edgar Engert. Der Airbus machte noch auf der Startbahn kehrt. Lufthansa und Flughafen gingen auf Nummer sicher gehen: Alle 314 Passagiere kamen zunächst in Quarantäne.

Kurz nach 16 Uhr löste die Integrierte Leitstelle in Erding Großalarm aus. Nicht nur die umliegenden Kliniken wurden informiert. Aus dem gesamten Umland wurden Rettungsdienstfahrzeuge geordert. Weit über hundert Helfer, elf Notärzte und 52 Fahrzeuge des Rettungsdienstes und der Schnelleinsatzgruppen des BRK Erding, Freising, des MHD und der JUH Allershausen machten sich auf den Weg. Vor dem Haupttor bildete sich ein Stau aus Einsatzfahrzeugen mit einem Meer aus Blaulichtern.

Die Maschine wurde nach den Worten Engerts unter Begleitung der Feuerwehr zur Halle F dirigiert, in der normalerweise die Flüge nach Israel abgefertigt werden. Einige waren bereits so schwer erkrankt, dass sie noch im Flugzeug ärztlich versorgt werden mussten. Der Rest wurde mit Bussen ins Terminal gebracht, wo er von den Rettern schon erwartet wurde.

Gerhard Steinbach, Kreisbereitschaftsleiter des BRK Erding, berichtet, dass sofort mit der Sichtung begonnen wurde. Auch das Gesundheitsamt Erding entsandte Experten. „Einige Fluggäste litten bereits unter gefährlichem Flüssigkeitsverlust. Ihnen haben wir Infusionen angelegt.“ Wer unter Magen-Darm-Beschwerden litt, blieb in der Obhut der Sanitäter und Ärzte. „Wir haben Blutdruck gemessen und alle Vitalfunktionen laufend überwacht“, so Steinbach, der zugibt, dass es anfangs Verständigungsschwierigkeiten gab, ehe Dolmetscher gefunden waren.“

Für 23 Japaner war die Reise zu Ende. 15 wurden laut Einsatzleiter Edgar Scholz (BRK) ins Kreiskrankenhaus Erding eingeliefert, fünf kamen nach Freising, je zwei nach Ebersberg und Bogenhausen sowie einer nach Schwabing. Klement Kreitmeier vom Polizeipräsidium Oberbayern-Nord teilte am Abend mit: „Bei keinem besteht Lebensgefahr.“ Der Rest der Gruppe muss bis Montag sicherheitshalber vor Ort bleiben – in einem Hotel am Airport.

Derweil ist die Suche nach der Ursache angelaufen. Polizeiangaben zufolge war die Gruppe zwei Tage zuvor aus London in München eingetroffen und in einem Hotel abgestiegen. Tagsüber waren die jungen Leute in Kleingruppen unterwegs. Möglich ist eine Lebensmittelvergiftung, es könnte sich aber auch um das Noro-Virus handeln. „Es wurden Proben genommen“, teilte Christina Center, Sprecherin des Landratsamtes Erding, am Sonntag mit. Sie konnte immerhin Entwarnung geben: „Alle sind auf dem Weg der Besserung.“

Die Krankheit breitete sich nach Angaben Engerts und Centners nicht weiter aus, so dass die übrigen Reisenden noch am Samstag um 19.34 Uhr nach Tokio starten konnten. Zuvor war der Airbus unter Aufsicht des Gesundheitsamts und der Feuerwehr desinfiziert worden. Die letzten Retter konnten erst gegen 1 Uhr nachts ihren außergewöhnlichen Einsatz beenden.

Die BRK Bereitschaft Erding, rückte mit insgesamt 9 Fahrzeugen (3 KTW, 2 RTW, 1x HvO, 1x GW San 25, 1x GW San 50, 1x Betr. LKW) zu diesem Einsatz aus. Die SEG Transport führte zahlreiche Patiententransporte durch. Der am heutigen Tage von Innenminister Hermann in Eichstätt übergebene Notfallkrankenwagen kam somit sofort nach der Übergabe zu seinem ersten Realeinsatz.

Eingesetzte Fahrzeuge der Schnelleinsatzgruppen des BRK Kreisverband Erding:
Bereitschaft Erding:
1x RTW, 2x N-KTW, 1x GW-San 50, 1x GW-San 25, 1x Betreuungs-LKW
Bereitschaft Dorfen:
1x RTW
Bereitschaft Isen:
1x KTW

Weitere Kräfte BRK Erding:
OrgL + LNA, ELRD, UG-SanEL

Weitere SEG'n: BRK Freising, MHD Flughafen, JUH Allershausen

Öffentlicher Rettungsdienst:
1x NEF Erding, 2x RTW Erding, zahlreiche weitere Rettung- und Krankentransportwagen aus den Landkreisen Freising und München verschiedener Organisationen.

Bericht + Video:
merkur-online.de

Fotogalerie: